Aus dem offenen Appell an die Obericklingerinnen und Oberricklinger:
“Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger in Oberricklingen,
mit großer Bestürzung verfolgen wir derzeit die öffentliche Diskussion zur geplanten Flüchtlingsunterbringung in Oberricklingen.
Bis Ende des Jahres müssen 465 zusätzliche Asylsuchende in Hannover untergebracht werden, 40 von ihnen sollen im ehemaligen Luftschutzbunker in der Munzeler Straße 25 Zuflucht finden.
[...]
Für die Stadt ist die, insbesondere auch durch die Situation in Syrien und Nordafrika ausgelöste Flüchtlingswelle eine große Herausforderung. Alle bisherigen Unterkünfte sind voll belegt. Auch wenn die Unterbringung möglichst über den freien Wohnungsmarkt geregelt werden sollte, ist dies angesichts des begrenzten Zeithorizonts und im Hinblick auf die Zahl der Menschen nicht immer möglich. In Hannover hat man sich deshalb dafür entschieden, die Unterkünfte auf möglichst viele unterschiedliche Stadtteile und Standorte zu verteilen, um einer Konzentration vorzubeugen.
Die vorgesehene Unterbringung in der Munzeler Straße ist insofern die richtige Lösung. Bei einer Zuweisung von 40 Menschen wird der Stadtbezirk Ricklingen auch nicht über die Maßen belastet.
Zum Standort Munzeler Straße gibt es keine Alternative, so dass eine Diskussion um das Ob an den Tatsachen vorbeigeht. Wir müssen uns vor allen Dingen über das Wie Gedanken machen.
Eine Diskussion, die im Vorfeld mit Vorverurteilungen arbeitet und Ängste bei Anliegern schürt, ist wenig hilfreich. Was einem hier an Argumentationen entgegenschlägt ist zum Teil abenteuerlich und gerade mit Blick auf die Geschichte des Stadtteils Oberricklingen, in dem viele Familien von einem ähnlichen Schicksal [...] berichten können, beschämend. Wir brauchen eine Atmosphäre des Willkommens. Deshalb muss es jetzt darum gehen, um mehr Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern zu werben.
Vor allem aber darf man nicht vergessen, dass es hier um Menschen geht, die oft schwere Schicksale zu tragen haben und die auf unsere Solidarität angewiesen sind. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen. Nicht nur das Gebot der Nächstenliebe, sondern auch und vor allem das im Grundgesetz verankerte Bekenntnis zu den Menschenrechten verpflichten uns dazu.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, bitte tragen Sie dazu bei, dass notleidende Menschen in Ihrem Stadtteil nicht vorverurteilt, sondern freundlich empfangen werden. Dies war bisher auch gute Tradition in Oberricklingen, einem Stadtteil mit einer ganz besonderen Geschichte und so soll es auch weiterhin bleiben.”
Den Appell in voller Länger und die Liste der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner finden Sie bei Fidele Doerp.